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Dez
09

kritik AVATAR 3D – Wow! aber dann…

Inhalt: “Pocahontas in Space”, “Der mit dem Wolf tanzt in 3D”… Die leicht spöttischen Inhaltsumschreibungen, die durchs Netz geistern, treffen es schon ziemlich genau. Die Amis (die Soldaten sind “Marines”, also Amerikaner, aber im Film durchaus auch einfach mit “Menschen” gleich zu setzen) kämpfen mal wieder um Bodenschätze. Diesmal allerdings nicht auf der Erde, sondern auf dem Planeten Pandora.
Ausgerechnet dort, wo das größte Vorkommen eines wertvollen Metalls unter der Erde liegt, steht ein Dorf der Eingeborenen. Der querschnittsgelämte Soldat Jake Sully (Sam Worthington) soll deshalb in einen “Avatar” – eine Art 2. Körper in Gestalt der blauen Eingeborenen – schlüpfen und das Vertrauen der Pandoraner gewinnen.

Kritik: Wow! Die ersten Momente von Avatar beeindrucken.

Technik: James Camerons erster Film seit Titanic sieht im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch aus. Futuristische Labore, riesige Militär-Hangars und ein Planet Pandora der (nicht jedermanns Geschmack) sehr, sehr bunt, aber vor allem extrem detailreich und liebevoll Gestaltet ist. Solche Bilder hat der Kinozuschauer noch nicht gesehen – ein Erlebnis!
Allerdings bleibt die von Cameron (Terminator, Aliens) versprochene Revolution aus. Avatar ist technisch zwar ein weiterer Schritt, allerdings ein kleiner. Der Herr der Ringe und  King Kong sehen beeindruckend aus, Avatar macht (vor allem durch die 3D-Technik) einen weiteren Schritt. Vom sogenannten “Fotorealismus” ist aber auch Avatar noch weit entfernt. Weite Strecken des Films fühlen sich nach Animationsfilm an. Nie sieht es aus, “als könnte dieser Baum jetzt auch neben mir stehen”. Vielleicht sind die Zeiten riesiger technischer Evolutionen (wie bei Camerons Terminator 2 oder bei Jurassic Park) einfach vorbei…
Nochmal, damit kein falscher Eindruck aufkommt: Trotzdem beeindruckt der Film visuell. Allein die Technik macht den Film zu einem echten Erlebnis.

Story: Hier liegt der Hund begraben: Die (Indianer-)Geschichte ist vorhersehbar und simpel. Dass sich Jake Sully und Neytiri verlieben, ist nicht versehentlich  im Trailer gespoilert – der Zuschauer weiß es sowieso bei der ersten Begegnung der beiden. Auch ansonsten bleibt die Handlung dünn: Böse, raffgierige, vom Militär und Aktionären bestimmte Menschen wollen dem netten Naturvolk die Heimat nehmen. Es kommt zum Kampf. Viel mehr passiert nicht.
Gute Ansätze – wie der Konflikt zwischen Forschung und Militär – werden verschenkt, die Vorgeschichte des Hauptcharakters (warum sitzt Jake im Rollstuhl?; was ist seinem Bruder passiert?) wird ignoriert und eine Charkterentwicklung gibt es kaum. Es gibt gute Menschen (wie Trudy, gespielt von sexy Michelle Rodriguez) und böse Menschen. Die Motivation der Charaktere bleibt – mit Ausnahme von Jake und Doktorin Grace (Sigourney Weaver; Alien) – im Dunkeln verborgen.

3D oder Analog gucken? Ganz klar: 3D! Ich sage das nicht leichtfertig daher, mir ist bewusst, dass der Eintritt zum 3D-Kino ca. das Doppelte kostet. Ich habe Avatar komplett in 3D geshen und zum Vergleich eine halbe Stunde in die analoge 35mm-Kopie reingeschaut: Der Unterschied ist enorm!
Besonders, weil nicht die Handlung sondern die Technik das Filmerlebnis von Avatar ausmachen, sollte man das Geld investieren. Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass man diesen – abgesehen von der Technik – eher durchschnittlichen Film sonst gar nicht im Kino gucken muss. Ohne den 3D-Effekt kann man getrost auch auf die DVD oder Bluray warten – einen der tollen Optik des Films angemessenen Fernseher vorausgesetzt.

Fazit: Die Revolution ist ausgeblieben, die Handlung durchschnittlich und den souverän aber nicht überragend agierenden Schauspielern stiehlt die Technik die Show. Ein Film, wie ein Besuch eines großen Freizeitparks: Man ist beeindruckt, viel mit nach Hause nimmt man nicht….

7 von 10 Sternen

(5 für den durchschnittlichen Film, gute 2 Sterne zusätzlich für die Technik, die den Film sehr sehenswert macht)


7 Antworten zu „kritik AVATAR 3D – Wow! aber dann…“


  1. 18. Dezember 2009 um 15:02

    Danke für dein tolles Review, ich versuche den auf alle Fälle auch in einem 3D Kino zu sehen, ansonsten würde ich auch auf die Bluray warten

  2. 2 Niklas
    19. Dezember 2009 um 00:09

    Hey nette Seite!
    Ist das denn mit Sven und Andre abgesprochen? ;)
    Ich hatte die ganze Zeit überlegt, ob was bei Avatar wirklich 3D sein muss, aber du hast mich wie meinen Vorredner doch überzeugt;)

    Grüße
    Niklas

  3. 19. Dezember 2009 um 15:20

    zumindest sven weiß bescheid. aber so viel wie bei weltraumaffe los ist, hätte ich eh kein schlechtes gewissen… ;-)

  4. 24. Dezember 2009 um 05:39

    HeyHo,

    dachte ich besuch dich mal hier um zu gucken was du hier so treibst. Und der Niklas hat schon ganz recht! Filmkritiken im Internet schreiben, dass dürfen nur ich und der André.

    Aber im Ernst: Finds echt awesome, dass du jetzt auch dann und wann was schreibst. Ich hoffe ich komm nach Beendigung meiner derzeitigen Pflichten auch mal wieder dazu, so im Mai oder Juni nächsten Jahres. Aber wettet bitte nicht darauf.

    Von daher bildet Moes Movieblog da wohl derzeit den Haven of Hope was objektiven Qualitätsjournalismus im knallharten Moviebizz angeht. Einzig jetzt zum Jahreswechsel werde ich nochmal zwei drei Artikel online stellen.

    Zu Avatar: Sehe ich fast ziemlich genauso, gehe aber bei den einzelnen Kritikpunkten nochmal härter ins Gericht und gebe den Film lediglich 2 Weltraumaff… äh 4 bis 4,5 von 10 Sternen.

    Ich hoffe nur das Cameron jetzt nicht wie Lucas endet und sich in seinen Effektwelten verliert. Wird aber vermutlich leider darauf hinauslaufen, wenn man liest wie toll er die Arbeit an “Avatar” fand.

  5. 30. Dezember 2009 um 13:53

    Es ist irgendwie schon absurd, dass Cameron eine Ökomessage mit perfekt gerenderten kitsch Postkartenmotiven verkaufen will. “Respektiert die Natur und ihre Völker, auch wenn mir die echte Natur jetzt nicht wirkich bombastisch und schön genug ist für meinen Film. Ich mein, Leute, Nichts ist wie Pandorra, wo gibt es bitte Dschungel und Wasserfälle und Felsen und drei Meter große Schumpfkatzen.”

    Ja, AVATAR ist ein Hingucker, für vieleicht 30min. und dann folgt das Grauen und es vergehen unglaubich langweilige und kitschige 2Std. ehe Cameron seinen Effektekrieg von Zaun bricht, der dann zumindest wieder ganz nett anzusehen ist obwohl eigentlich vollkommen egal ist, wer stirbt oder wie’s nun aus geht.

    AVATAR ist leider auch nur episches Effektekino auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gemünzt und inhaltlich nicht mehr als ein schwaches Echo größerer Vorbilder wie DER MIT DEM WOLF TANZT und DISNEY’S POCAHONTAS, wobei Pocahontas nicht so kitschig war…da da dada “Kannst du malen wie das Farbenspiel des Winds” ;)


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