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05
Dez
09

Zweiohrküken – Kritik

Inhalt: Ludo und Anna sind seit über zwei Jahren (Zeitraum nicht näher definiert) ein Paar und Leben in einer gemeinsamen Wohnung. Der Alltag macht ihnen zuschaffen und dann tauchen auch noch ihre Ex-Partner auf…

Kritik: “Erfrischende Komödie” ist eine der dümmsten Umschreibungen, die Pressetext-Leuten je eingefallen ist. Erfrischend ist ne Apfelschorle nach dem Sport oder ein kaltes Bier nach Feierabend – kein Film. Dennoch war Keinohrhasen vor ziemlich genau einem Jahr “erfrischend”, denn der Film hat vieles richtig gemacht, was deutsche Komödien sonst gerne falsch machen: Zwar war auch damals die “Hässliches Entlein trifft Weiberheld”-Geschichte alles andere als neu, aber durch Wortwitz (“Ein stilles Wasser. Eins, was nicht rumzickt…”) und eine tolle Besetzung wurde der Film zu einer der besten deutschen Komödien der letzten Jahre.

Zweiohrküken macht nun fast alles falsch, was in Keinohrhasen noch glückte:

Wenn zu Beginn deutlich gemacht wird, dass der Alltag in Annas und Ludos Beziehung eingekehrt ist, hat das ungefähr das Niveau eines Mario Barth-Programms – wenn auch nicht auf die männliche Sicht beschränkt. Die Charaktere bleiben mehr als flach, ein Klischee nach dem anderen wird dem Zuschauer um die Ohren gehauen.

Auch in Keinohrhasen waren Gags vorhersehbar: Wenn zum Beispiel Anna beweisen will, dass sie auch ohne Brille Auto fahren kann, muss das in der Mauer enden. Allerdings waren diese wenig originellen Slapstik-Einlagen im ersten Teil noch sparsam und mit bedacht eingestreut – in Zweiohrküken bestimmen sie den Film. “Highlights” der Fortsetzung werden so eine Fäkalhumor-Einlage von Matthias Schweighöfer (der ansonsten noch zu den Pluspunkten des Films zählt), Nora Tschirner, die vor einen Laternenpfahl läuft und – ganz grausam – Til Schweiger in Frauenklamotten. Kein Griff in die Klamottenkiste scheint den Machern (allen voran Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Schweiger) zu peinlich.

Das ist umso trauriger, weil die Stärken von Keinohrhasen offensichtlich allen klar waren: So wird zum Beispiel die großartige, oben erwähnte, Restaurant-Szene zitiert und neu aufgelegt. Allerdings wirken diese Zitate etwas aufgesetzt und erreichen auch nicht das Wortwitz-Niveau des Vorgängers.

Dass Regie, Kamera und Schnitt technisch durchaus überzeugen, hilft dem Film nicht. Auch das Ende in Bierwerbespot-Romantik ist hübsch gefilmt, kommt aber so abrupt und wirkt so aufgesetzt, dass es als weiterer Schwachpunkt des Films gewertet werden muss.

Fazit: Vielleicht hätten sich Til Schweiger und Co-Autorin Anika Decker etwas mehr Zeit für eine gute Geschichte nehmen sollen. Ein Jahr nach Keinohrhasen enttäuscht Zweiohrküken auf ganzer Linie: Billige Klamotte, ein unwürdiger Nachfolger.

Wertung: 4 von 10 Punkten




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