Einträge tagged ‘Robert Downey Jr.

03
Jan
10

Der Solist – Kritik

Inhalt: Das Internet boomt, die (amerikanische) Zeitungsbranche steckt in der Krise. Mitten in dieser schwierigen Zeit von Entlassungen und Existenzangst lernt der Journalist Steve Lopez zufällig den Obdachlosen Nathaniel Ayers kennen. Ayers spielt auf einer alten Geige Beethoven, seine Geschichte fasziniert Lopez, er beschließt, den Obdachlosen in seiner Kolumne zum Thema zu machen – “Homeless has the world on two strings”.

Kritik:“Nach einer wahren Geschichte” ist oft schwierig in Hollywood. Auch hier basiert der Film eher wage auf der Geschichte des LA Times-Journalisten Steve Lopez. (Zum Beispiel ist die midlife-crisis der Filmfigur ziemlich frei erfunden, auch ist der echte Lopez weiterhin glücklich verheiratet.)
Authentizität ist im Film aber nicht immer ein Zeichen von Qualität, noch weniger gilt der Umkehrschluss, wie “Der Solist” beweist: Ob die Geschichte so nun in der Realität stattgefunden hat, spielt keine Rolle, denn sie ist gut erzählt – das reicht.

Regiesseur Joe Wright (Abbitte; Stolz und Vorurteil) hat bereits bewiesen, dass er “schöne Bilder” einfangen kann. Das gelingt ihm in “Der Solist” eindeutig wieder. Minutenlange klassische Musik durch nur Großstadtbilder zu untermalen, ist nicht einfach, Wright gelingt dieses Kunststück, ohne das der Zuschauer sich langweilt. (Die “LSD-Trip”-Bilder während des Konzerts sind wohl geschmacksfrage.)

Besonders Jamie Foxx überzeugt in seiner Darstellung von Nathaniel Ayers. Nach seinem oscarprämierten Auftritt als Ray Charles in “Ray” wohl die beste Leistung von Foxx. Aber auch dem vielgescholtenen Robert Downey Jr. nimmt man den (besorgten) Journalisten in der midlife-crisis immer ab.

Die große Stärke des Films ist aber die Gradwanderung am Abgrund zum Kitsch: Filmstarts.de (3 von 10 Punkten; eine Ohrfeige !) sieht den Film gar schon abgestürzt, der Wertung von MovieMaze (80 %) hingegen möchte ich mich im folgenden Fazit anschließen.

Fazit: Die Geschichte wäre leicht zu überzeichnen gewesen. Rührseelig inszeniert, wäre der Film aber gescheitert. Dass die Figur von Lopez auch zu Beginn der Geschichte eben kein “Schmierenjournalist” ohne Skrupel ist, dass Ayers zum Schluss des Films nicht zum gefeierten Orchester-Star wird, all das muss man dem Film hoch anrechnen. Er erzählt eine stimmige und spannnende Geschichte, regt zum Nachdenken an und ist in tollen Bildern inszeniert. So wie er ist, funktioniert er. Punkt.
Die “Hollywood beutet auch noch Obdachlose aus”-Vorwürfe von Jan Hamm von Filmstarts.de und anderen Kritikern sind hingegen haltlos. Dass man die besondere Geschichte eines besonderen Obdachlosen erzählt und nicht die eines x-beliebigen Obdachlosen, ist wohl ein ziemlich alberner Vorwurf. Deshalb sehe ich die Probleme der 90000 anderen Obdachlosen von Los Angeles auch nicht ignoriert – im Gegenteil: Auch wenn man “nur” Ayers Geschichte erzählt, lenkt man die Aufmerksamkeit auf die Problematik.

7 von 10 Punkten

(Habe die Wertung nocheinmal nach unten korregiert. Sind jetzt gute 7 von 10. Hatte mich etwas in Rage geschrieben ;-)




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